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Der Maghreb – Tunesien, Algerien und Marokko

Die geografische Lage des Maghreb

Die afrikanische Gestade am Mittelmeer gehören nach ihrem geologischen Bau, nach Klima, Vegetation, Bevölkerung und Geschichte mehr zum europäisch-mediterranen Raum als zum “Schwarzen Erdteil” Afrika, der erst im breiten Wüstengürtel der Sahara seinen Anfang nimmt. Das Atlas-Gebirge – mit 2200 km West-Ost-Erstreckung doppelt so lang wie die Alpen – ist das einzige junge Faltengebirge auf dem afrikanischen Kontinent. Es setzt sich in den Apenninen Italiens und in der Sierra Nevada Iberiens fort. Der Westteil heißt Hoher Atlas und erreicht im Dschebel Toubkal 4165 km. Fast gleich hoch sind Antiatlas und Mittlerer Atlas. Der östlich anschließende Tell-Atlas und der Sahara-Atlas schließen das 200 km breite Steppenhochland der Schotts ein. Die gebirgsbildenden Vorgänge in diesem geologisch vergleichsweise jungem Land sind bis heute noch nicht zur Ruhe gekommen. Die Orientalen nennen diesen Landstrich Maghreb, dem “Land des Sonnenuntergangs”, womit alle westlich von Ägypten liegenden Moslemländer gemeint sind.

Das Klima des Maghreb

Klimatisch gehören die Atlasländer zum mittelmeerischen Etesienklima mit Winterregen und Sommertrockenheit. Ein Drittel der Fläche empfängt jährlich mehr als 400 mm Niederschlag, regenexponierte Hänge sogar bis zu 1000 mm, was für die meisten Mittelmeerkulturen genügen würde, wenn die Regen richtig fallen. Je weiter man von der Küste landeinwärts gelangt, desto spärlicher und unsicherer werden die Regenfälle, denn der vorgelagerte Gebirgswall wirkt als Regenfänger. Durch Stauanlagen versucht man, die wenigen Niederschläge für Bewässerungszwecke, Kraftwerke und die Trinkwasserversorgung nutzbar zu machen. Südlich des Atlas-Gebirges beginnt das Steppen- und Wüstenland des Passatklimas mit ganzjähriger Trockenheit, starken Temperaturunterschieden zwischen Tag und Nacht und äußerst dürftiger Vegetation. Aus dem Glutofen der Sahara weht der Schirokko, von Algerien bis Libyen der Ghibli und in Marokko der Schergi, alles Wüstenwinde mit bis 50°C, die mitunter ganze Ernten in wenigen Stunden vernichten können.

Völker und Kulturen im Maghreb

In schwer zugänglichen Gebieten, besonders im Hohen Atlas und Sahara-Atlas, wohnen die meist seßhaften Berber, oft auf den höchsten Spitzen der Felsen hausend. Sie bauen Weizen, Mais und Kartoffeln sowie bis in 2300 m Roggen und Gerste an. Obgleich Moslems, haben die Kabylen, der wildeste Stamm von allen, die hälfte aller Koranvorschriften gestrichen, und ihre Frauen gingen schon immer unverschleiert. Die wanderden Nomaden leben in einfachen Zeltdörfern, den Duars. Jeder Stamm hat seinen Wochenmarkt, den Souk. auf einem zentral gelegenen Platz irgendwo in der Steppe, wo sich die Bewohner verschiedener Duars treffen, Handel treiben und sich unterhalten. Die maghrebinische Stadt (Medina) mit ihren engen, gewundenen Straßen gruppiert sich um eine gewöhnlich hoch gelegene Festung, die Kasbah. Die kastenartigen, an der Straßenseite fast fensterlosen Häuser haben alle ein flaches Dach, auf dem sich abends das Leben der Hausbewohner abspielt und man in heißen Nächten auch schläft. Tagsüber bevorzugt man den offenen, schattigen Innenhof, in dem meist ein Brunnen plätschert. Die Kuppeln der Moscheen überragen die würfelförmigen Häuser der “Orientalenstadt”. Von den schlanken Minaretts ruft der Muezzin fünfmal am Tag die Gläubigen zum Gebet.